Montag, 16. September 2013

Helvetismen.


Neulich auf der Arbeit gab es wieder einmal einen interessanten Workshop. Zur kurzen Erklärung, ich habe vor einigen Monaten den Vorschlag gemacht, dass wir uns mittels interner Weiterbildungen eben bilden könnten. Jeder bekommt ein Thema, auf das er sich vorbereitet und trägt es den anderen vor, damit diese auch etwas lernen.
 
Nun, dieses Mal war das Thema: Helvetismen.
Der Deutsche denkt sich nun: Was soll denn das sein? Mit dem Begriff Helvetia können wohl die wenigsten etwas anfangen. Naja, um es kurz zu machen Helvetismen sind Wörter, die nur in der Schweiz vorkommen. Und wer schon einmal in der Schweiz gewesen ist, der weiss was ich meine.
 
In der Schweiz wird nicht geparkt, sondern parkiert. Die Würstchen werden auch nicht gegrillt, sondern grilliert. Eine Ampel ist ein Rotlicht (obwohl die Ampeln auch in der Schweiz drei Farben besitzen) und die Hausschuhe sind Finken. Schwierig wird es dann, wenn man mittags etwas ohne Pepperoni bestellt, aber das Essen dennoch sehr scharf ist, was daran liegt, dass Pepperoni in der Schweiz die Paprika in Deutschland ist.
 
Beim Kochen kommt man dann auch schnell durcheinander, so gibt es keine Sahne, sondern nur Rahm, dafür kennt man aber in der Schweiz weder Schmand noch Schmalz. Und wenn man ein Poulet bestellt, bekommt man Huhn. Das Huhn kennt man nicht so recht in der Schweiz. Trotzdem heisst es dann wieder Hühnerhaut und nicht Gänsehaut. Da soll noch mal einer durchblicken.
 
Zum Zmorge gibt es ein Gipfeli mit Anke und Konfi und eine Schale, was nichts anderes ist, als ein Croissant, Butter, Konfitüre und ein Milchkaffee.
 
Sehr amüsant finde ich auch das Müesli, dass man sich zum Znüni (zweites Frühstück) macht und hierbei handelt es sich nicht um das kleine graue Nagetier, das hingegen ist das Müsli.
 
Weiter zum Zmittag gibt es dann Teigwaren mit Thonsauce und Randensalat. (Zum Mittag gibt es dann Nudeln mit Thunfischsauce und Rotebeete-Salat.)
 
Ach ja, nicht zu vergessen, zum Znacht gibt’s dann ein Glas Roten, dazu Kartoffelstock, Rüebli und ein Güggeli (was dann tatsächlich das gegrillte Hähnchen ist, pardon, das grillierte Hähnchen).
 
Ich habe mit meinen Kollegen auch viel Spass während unserer Bauphase gehabt. So musste doch unser Estrich erst trocken werden, bevor die Platten drauf könnten. In der Schweiz ist der Estrich jedoch der Dachboden. Dies hat allgemein für Verwirrung gesorgt.
 
Putzen ist auch ein schönes Diskussionsthema in der Schweiz. „Kannst du mal den Boden fegen“ sollte man zum Beispiel nicht sagen, wenn man eigentlich nur den Staub mit dem Besen hinausbefördern will. In der Schweiz ist fegen nass aufnehmen und wischen mit dem Besen sauber machen. Ich habe noch nie gefragt, ob es in der Schweiz einen Handfeger oder Handwischer gibt. Ist mir bisher irgendwie entgangen.
 
Naja und dann sind eben die Ferien, die Urlaub sind und Freunde hat man hier nicht, das sind Kollegen. Der Freund ist in der Regel der Partner (De Fründ). Das schöne ist jedoch, dass man es eigentlich schreiben kann, wie man will, solange es ein Dialektwort ist.
 
Hm, nun bin ich aber ein wenig vom Thema abgewichen. Was ist also ein Helvetismus? Wie das meistens so ist, gibt es hier unterschiedliche Meinungen. Allgemein wird aber unterschieden zwischen Wörtern, die man im Schriftdeutsch (so heisst das geschriebene hochdeutsch in der Schweiz) verankert hat und Wörtern, die man quasi aus der Dialektsprache eingedeutscht hat. Das ganze Thema ist sehr umfangreich. Ein Helvetismus ist also ein Wort, das der Schweizer im hochdeutschen also schriftdeutschen Sprachgebraucht benutzt, um etwas auszudrücken, was wir Deutschen in unserem Deutsch ganz anders bezeichnen würden.
 
Vielleicht werde ich mit der Zeit mal die ein oder anderen Worte aufgreifen und näher erläutern…
 
Nur noch so am Rande: Oftmals kommt die Diskussion auf, ob die Schweizer mit den Deutschen hochdeutsch, beziehungsweise Schriftdeutsch, reden sollen. Ich muss da ganz ehrlich sagen, dass ich den Schweizer Dialekt unheimlich gern höre. Leider klappt es mit dem Sprechen nicht so bei mir. Aber vielleicht wird auch das in einigen Jahren mal anders sein… wer weiss das schon…
 
 

Kommentare:

  1. Die "Schweizer Pepperoni" haben ihren Ursprung bei den vielen früheren italienischen Gastarbeitern, die diese mitgebracht haben sollen ("i peperoni"), beispielsweise bei mit Hackfleisch gefüllten "Pepperoni" verwendet man aber nicht die scharfen Paprikaschoten. In Deutschland wurde das selbe Menü unter den gleichen Umständen bekannt, wobei es dabei mit "Paprikas" salonfähig wurde. Es ist daher das selbe und keine Bezeichnung ist falsch. In der Schweiz wurde es einfach anders eingedeutscht, wir verwenden öfters fremdsprachige Varianten, bestimmt auch wegen der vier Landessprachen.

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  2. Ferien sind arbeitsvertraglich geregelt und dienen zur Erholung der Mitarbeiter. Daneben gibt es durchaus Urlaube, z. B. den Mutterschaftsurlaub nach der Niederkunft, damit die Mutter sich dem Neugeborenen zuwenden kann. Auch im Militärdienst, gibt es den Kurzurlaub, um wichtige Termine wahrzunehmen. Der Soldat ist dabei trotzdem noch im Dienst, aber eben beurlaubt.

    Der "Kollege" beschreibt in der Mundart (mündlich/schriftlich) einen nahen oder weniger nahen Freund. Man benützt daher für den Mitschüler den Begriff "Schulkollege", für den in der gleichen Firma tätigen Angestellten, den "Arbeitskollegen", für denjenigen, der den gleichen Beruf erlernt hat, den "Berufskollegen" usw. Ein/e Beziehungspartner/in heisst im Dialekt Freund/in, hat also mit verbindenden, partnerschaftlichen Gefühlen zu tun. In der Schriftsprache verwendet man, z. B. für „Mitarbeiter“, entweder die deutschländische Variante (Kollege) oder eine schweizerische mit einer näher beschreibenden Art (Arbeitskollege). Die Deutsche Ausdrucksweise wirkt aber im Alltags-/Arbeitsleben oft befremdend, zum Beispiel bei einer übergrossen Annonce eines Lieferbusses, dessen Firma einen neuen Mitarbeiter benötigt und den „Kollegen“ sucht anstelle eines „Mitarbeiters“ oder „Arbeitskollegen“. Der Schweizer assoziiert mit „Kollege“ den „Kumpel“, einen „guten Freund“ oder etwa einen "Schulkollegen". In Büchern oder in der Schule wird durchaus aber die Hochdeutsche Variante benützt und wird anders wahrgenommen, da der Leser der Figur (der Freund o. Ä.) nahe kommt. Zu diesem Unterschied kann es gekommen sein, als man Homosexuelle stärker in der Gesellschaft thematisiert hat in den 60er-, 70er- oder 80er-Jahren und eine Abgrenzung in der Schweiz stattfand.

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